Auszug "Fränkische Nacht" April ´98 als Reaktion auf die CD - Releaseparty

Komplexe Sounds...

Die musikalisch zum Teil recht waghalsige Balance der Titel erscheint schon nach kurzem Anhören sehr gelungen und gar nicht anfällig für die Gefahr, aus dem Gleichgewicht zu rutschen. Bereits der erste Titel "The Way" zeigt, wo es auf der CD musikalisch langgeht. Im Rock verankert, voller Intensität, mit rhythmischer Raffinesse und atemberaubenden Breaks arrangiert, entwickelt sich ein Sound, der an den Art-Rock der siebziger Jahre erinnert (Yes,Marillion,Saga). Und doch ist der Titel durchwachsen durch Einflüsse aus den Neunzigern und erscheint somit offen für das nächste Jahrtausend...

...mystische Texte

Easy listening kann man bei der Musik von AMON RA sicherlich nicht erwarten. Gleichwohl wechseln sich softe, balladeske Passagen mit rockigen und klassischen Elementen ab - wie bei dem episch angelegten und arabisch beeinflußten Opus "In The Name Of Ra". Gerade dieser Titel, der das Aufbegehren von Arbeitssklaven im alten Ägypten gegen den vermeintlichen irdischen Vertreter der Sonnengottheit thematisiert, zeigt die Vielfalt der akustisch geschickt und technisch perfekt arrangierten musikalische Ideen der Band. Im Gegensatz zu den oft fast zehnminütigen Titeln wirft das Zwischenspiel "The Forest" einen meditativen Klangteppich aus, auf dem es sich kurz (1:13 Minuten) ausruhen läßt, bevor einen übergangslos und doch harmonisch "The Waterfall" aus den Träumen reißt. Das balladeske und rein instrumentale Stück "The Story of Beren and Luthian" zeigt in den virtuosen Gitarrenläufen deutliche Saga-Anleihen. Auch dem Songtext des geheimnisumwitterten "Dragon Wall" kann man leicht entnehmen, daß diese Band eine Vorliebe für fernöstliche Symbolik und Dramaturgie hat. Funky, mit akustisch klingenden Keyboardsounds kommt hingegen die Aufforderung zum "Search Your Soul"; dann wieder sehr sanft und schwebend die Bitte "Stay" und schließlich - immer wieder klassisch anmutend, doch auch rockig und tempramentvoll auftfumpfend - das abschließende "Illu Vata". Keines der Stücke schmort im eigenen Saft - die Songs werden immer wieder in andere Klangfarben getaucht oder von rhythmischen Versatzstücken und differenzierten Sounds augebrochen, ohne daß sie ihren Fluß verlieren...

 

 

Auszug "Empire" Mai/Juni 1998, Rubrik 'Platten':
Amon Ra - Tip des Monats

Amon Ra aus Bamberg präsentieren mit vorliegender CD ein Album, für das jede Aussage wie 'gelungenes Debut' schlichtweg eine makellose Untertreibung darstellen würde. Hier ist definitiv eine Band zugange, die das Zeug zu einem echten Überflieger hat......Die zehn Songs bieten Einflüsse aus dem Prog-Metal, genau wie fricklige Instrumentalparts, aber es überwiegen klar die melodisch symphonischen Elemente. Besonders positiv fallen immer wieder der Einsatz von Akustikgitarre und Piano auf, zudem hat man mit Scott Balaban einen hervorragenden Frontman am Start, der in punkto Emotionen kaum zu schlagen sein dürfte und der sich obendrein die Vocalparts selbst auf dem Leib geschrieben hat.....Nun bin ich wahrlich kein Freund von Funk oder Soul, aber wenn solche Elemente wie im Falle von "Search Your Soul" eingebracht werden, dann kan ich auch hier nur uneingeschränktes Lob zollen....."Illu Vata" mit seinen elfeinhalb Minuten ist eine der ausgereiftesten Kompositionen, die ich seit langem gehört habe....Es besteht absoluter Kaufzwang.

 

 

Auszug "Melodic Journey" Mai ´98 Rubrik 'Plattenbewertungen':

Amon Ra
Precarious Balance

Note: 7,5 Sound: 8 Aufmachung: 8

Wie gut deutsche Progressive Rock Bands mitunter sein können beweisen Amon Ra aus Bamberg auf ihrem Debut-Album "Precarious Balance".....Man könnte meinen es handele sich hier mindestens um das vierte oder fünfte Album einer Band, so ausgereift sind die Kompositionen und so perfekt die Musiker aufeinander eingespielt. Keine Spur von Selbstzweifeln oder Suche nach einer eigenen musikalischen Identität - Amon Ra haben sie bereits gefunden. Klar, es ist Progressive, die musikalische Schublade somit gefunden und die Einflüsse von anderen großen Bands des Genres auch vorhanden, aber Amon Ra klingen zu keinem Zeitpunkt wie eine Kopie von irgendjemanden...... Das Ergebnis: spannungsgeladene Songs mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen ruhigen und rockbetonten Passagen, mal piano- und mal gitarrendominiert. Hört sich gut an? Ist auch gut...

 

Auszug "Rock Hard" September ´98 Rubrik 'Eigenproduktionen':

Momentan scheint die Progrock-Szene (mal wieder) in einer schweren Identitätskrise zu stecken. Wirklich erstklassige Releases sind extrem selten, und wenn einem doch mal ein Juwel auf den Tisch flattert, dann stammt es meistens aus dem wesentlich vitaleren Prog Metal-Lager. Um so angenehmer ist man dann natürlich überrascht, wenn einem eine progrockige Eigenproduktion in die Hände fällt, die deutlich über dem Mittelmaß angesiedelt ist. AMON RA aus Bamberg haben zwar auch reichlich Platten von härteren Combos wie Rush, Dream Theater oder Deep Purple im Schrank stehen, beschränken sich aber in erster Linie auf die ruhigere Schiene. Daß man jedoch auch im wenig verzerrten Sektor satt grooven kann, beweist das Quintett schon mit dem knackigen Opener “The Way”. Acts wie Kansas oder Yes haben an einigen Stellen ihre Visitenkarte abgegeben, insgesamt fahren AMON RA aber eine recht eigenständige Schiene, auf der der angenehme Gesang im Vordergrund steht und die restlichen Musiker sich ein paar Schritte dahinter die Bälle in sehr songdienlicher Weise zuschieben. Eine leichtfüßige, nie peinliche oder überfrachtete CD, die langes Hörvergnügen garantiert.
Michael Rensen

Rock City News, Oktober/November 98

7 von 9 Punkten

Progrock in Reinform von einer der besten Bands dieses Genres aus dem fränkischen Raum. Internationaler Standard, passable Kompositionen, eigentlich ist das Teil als Demotip völlig deplaziert. Zum Genuß spätabends sollte ein nicht zu schwerer Rotwein, leicht gekühlt, serviert werden, und der Progfan kann dann gleich zum Koitus übergehen oder sich einfach vor der Stereoanlage verneigen. Warum haben die keinen Deal? Vielleicht weil die anderen 368 guten Progbands dieses Planeten genauso klingen. 7 satte Points.
Ewald Funk

Progressive Newsletter Dezember 1998

Bereits in anderen Magazinen wurde recht überschwenglich über das Debüt der aus Bamberg stammenden Amon Ra berichtet. Seit über acht Jahren musizieren sie in wechselnden Besetzungen zusammen, seit dem Frühjahr ´96 ist man in der heutigen Besetzung aktiv. Nicht nur die lange Spielerfahrung, auch, daß man mit Scott Balaban als gebürtigen Amerikaner über einen hervorragenden Sänger verfügt (der gerade in den ruhigen Parts Galahad Frontmann Stuart Nicholsen sehr ähnlich klingt), sind deutliche, augenscheinliche Pluspunkte des Quintetts aus Franken.
Vielleicht lag es aber an einer etwas zu überzogenen Erwartungshaltung, denn beim ersten Nebenbeianhören war ich von den von eingängigen und schönen Melodien durchzogenen, vielschichtigen Nummer dennoch leicht enttäuscht. Doch bereits der zweite Hördurchgang, diesmal ohne Ablenkung und ganz auf die Musik konzentriert, erschließt mehr von der Mischung aus Melodic Rock und sinfonischem Progressive Rock. Die Freude am intensiven Zusammenspiel der fünf wird fühlbar. Die intensiven, weitausladenden Stücke, mit lyrischen, fantasymäßigen Texten gespickt, strahlen ein gehobenes Maß Souveränität und Eigenständigkeit aus. Mal schraubt sich die Gitarre leicht heavymäßig in euphorische Höhen, dann kann das federnde Keyboard Kontraste setzen. Über allem thront der wirklich gute Gesang (kommt ja bei vielen Bands eher selten vor).
“Precarious Balance” ist zwar kein grandioses Meisterwerk, verfügt aber über viele starke Momente. Der Rockcharakter ist vorherrschend, doch Pianopassagen; gelegentliche Akkustikparts an der Gitarre und gereifte, teilweise sehr ruhige Songstrukturen, wie auch gelegentliche Breaks verleihen dem Album große Abwechslung und einen progressiven Anstrich. Von dieser Band wird man hoffentlich noch mehr hören.
Kristian Selm